Tongariro Alpine Crossing

Laufen oder nicht Laufen, dass war hier die Frage. Die stellten wir uns eigentlich schon in Deutschland. Viele Touren haben wir von vornherein geskippt, da sie mit Baby einfach zu risikoreich wären. Aber die Vulkanroute war für mich schon ein must do und brannte uns beiden unter den Nägeln. Wir haben die Entscheidung aber immer weiter aufgeschoben, da jeder den wir gefragt haben uns eher davon abgeraten hat. Dass wir auf die Erklimmung des Schicksalsberges wohl verzichten mussten war indiskutabel, aber die “normale Route” schwebte als Traum die ganze Zeit über unseren Köpfen. Da zumindest das Wetter am Donnerstag und Freitag gut zu sein schien, skippten wir Ost und West von Palmerston North und fuhren geradewegs zur I-Site des Tongariro National Parks. Dorthin nahmen wir die Desert Road, die um den halben Park herumführte und bestaunten schonmal die mächtigen Vulkane.

In der I-Site erkundigten wir uns über Strecke, Wetterbedingungen und Busshuttle. Hier dann die totale Ernüchterung. Die Busshuttles transportieren keine Babys. Und auch in der I-Site riet man uns eher dazu, die Tour einzeln zu machen und jeweils ohne Baby. Als Option gab man uns noch die Möglichkeit auf den Shuttle zu verzichten und auf halber Strecke kehrt zu machen und wieder zum Auto zurückzugehen. Die Problematik besteht wohl beim Wind. Das Baby könnte aus dem Rucksack fallen?!…

Diesmal fühlten wir uns ziemlich schlecht beraten, den einzig Wertvollen Tipp bekamen wir von dem 50m entfernten Campingplatz, der leider komplett dicht war. Wir sollen früh aufbrechen, die Wetterbedingungen sollen sehr gut sein und wenn wir durchlaufen, wird uns ein Shuttle zu unserem Auto bringen, dann ist dem Baby ja nichts passiert und es gibt keine schlechte Publicity.

Also beschlossen wir es zu probieren. Wenn es zu unsicher ist können wir ja nach einer Stunde wieder kehrt machen oder so. Das Problem an diesem Abend war dann eher ein Schlafplatz zu finden. Alles total überbucht, das lag an der Wetterlage wie wir später mitbekommen haben. Die ganze Meute hat auf den guten Tag gewartet, der uns einfach vor die Füße gefallen ist. Als Kurzschlussreaktion mieteten wir das letzte teure Appartement, da die Kleine nicht mehr fahren wollte und wir uns ja für die Tour auch rüsten mussten.

So sind wir dann um 6 Uhr morgens zum Parkplatz aufgebrochen, die Kurze hatte extrem gute Laune, wahrscheinlich weil wir endlich mal früh wach waren und sie gerne Spielen wollte. Dort angekommen haben wir noch ein kleines Frühstück eingenommen und gewartet, bis es etwas Morgenlicht gab. Der Parkplatz war RuckZuck voll. Um 7 Uhr waren wir soweit und liefen mit der Herde los.

Gut eingepackt liefen wir die flache Etappe. Einige Leute fragten uns bereits hier, ob wir denn den ganzen Weg laufen wollen. 🙂

Das Wetter war der Hammer, nach dem schönen Sonnenaufgang war die Sicht bombastisch, man konnte sogar den Mt. Egmont bei New Plymouth im Westen sehen.

Da der Weg in Ordnung schien und wir gut vorbereitet waren entschieden wir recht rasch, dass wir das Ding reißen. 🙂 Also ging es das “Devil’s Staircase” hoch. 

Und da war er, der Schicksalsberg… Mount Ngauruhoe! 

Einige eifrige Frühaufsteher waren bereits auf dem Weg die zusätzlichen 600 Höhenmeter zu erklimmen. Wir wünschten ihnen ein wenig neidvoll viel Glück und machten uns auf zum Red Crater. 

Kurz vor Ende des Aufstieges konnten wir unserer Tochter einen guten Morgen wünschen die vergnügt das Szenario und die Leute betrachtete. 

Oben angekommen gab es dann für alle ein zweites Frühstück, dies war auch gleichzeitig die Mitte der Tour, bisher lief alles glatt. 🙂

Nach der kleinen Mahlzeit ging es an den “kritischen” Teil, der Abstieg zu den Emerald Lakes. Also die Kleine wieder eingepackt, alles wetterfest verschnürt und los (bis zu diesem Punkt haben wir noch 2 andere Pärchen mit Baby getroffen). Diese Stelle ist steil und enorm windig, das stimmt definitiv. Aber das gefährliche sind hier die Touristen, die offenbar noch nie einen richtigen Abstieg absolviert haben. Mit kleinen Gänsefüßchenschritten ging es bei denen seitlich den Hang hinunter. Hier bekamen wir echt ungläubige Blicke, als ich mir einen Weg durch die Menge suchte und in Windeseile den Abstieg machte und dabei etliche überholte. Auf die richtige Technik kommt es eben an, dann klappt das auch mit Baby.

Von hier aus war es dann nur noch eine normale Wanderstrecke und wir wussten, dass wir die Tour erfolgreich hinter uns bringen würden. So genossen wir die Wanderung durch Mordor, vorbei am Blue Lake…

… und zu einer tollen Abstiegsroute mit hammerblick ins Tal.

zwischendrin gab’s dann noch eine kleine Pause für Marie, dass sie sich mal richtig strecken konnte. So langsam wurde es auch wieder richtig warm. 

Also den neuen Sonnenschirm ausgepackt und weitergelaufen. 

Die letzte Stunde könnte jetzt noch schwierig werden dachte ich, da Marie wach und gelangweilt war. Doch der Weg führte die letzten 40min. durch einen tollen Wald und das liebt sie ja. Strike! So liefen wir auch diese Etappe mit bester Laune.

Und dann war da auch schon das Ziel! Nach guten 7 Stunden und 19,4 Kilometern erreichten wir den Parkplatz und fragten direkt bei einem Shuttle nach, ob dieser  uns mitnehmen könne. Die Antwort war ja und es geht in 10min. los. Perfekt!

An unserem Campervan angekommen, trafen wir das Schweizer Pärchen wieder und tauschten uns aus. Die haben alle Gipfel bestiegen und die Craterwanderung gemacht und sind wiederzurückgelaufen. Eine tolle Tour ohne Baby. ?

Wir sind dann ohne Umwege zu unserem Campingplatz gefahren und haben den Tag ganz entspannt ausklingen lassen.

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